8.3. Berchtesgaden, Kur Kino 18:30 Uhr (http://www.kino-berchtesgaden.de)
22.3. Bad Reichenhall, Park Kino 18:30 Uhr

Schauspieler und Team im Kino anwesend!


Weitere Spielzeiten:

Am 15.8. und am 21.8. jeweils als Vorfilm im Open Air Kino Berchtesgaden.

 

Weitere Verlängerungen der Spielzeiten möglich.

Info: 08652/979245 oder 08652/95380


Bericht aus dem Berchtesgadener Anzeiger

Gotz und das Gerücht

Berchtesgaden: (11. März 2003) - Im voll besetzten Kurkino fand die Premiere des Films "Gotz sei Dank" statt. Erzählt wird die Geschichte eines Außenseiters, der durch gewisse Umstände plötzlich zum gefeierten Star des Dorfes aufsteigt. Dem Regisseur Sebastian Prittwitz ist ein sehr amüsanter Kurzfilm gelungen, der die dörfliche Gerüchteküche auf den Arm nimmt. Der Film läuft bis Mittwoch um 19 Uhr im Kurkino.

Wie würde man jemanden bezeichnen, der seinem Vogel selbstverfasste Briefe von bekannten Volksmusikstars wie Hansi Hinterseer zur Beruhigung vorliest? "Als skurril" ist dabei noch die netteste Antwort auf diese Frage. Günther Gotz, perfekt gespielt von Martin Klocke, ist also etwas komisch. Verboten schaut er aus mit seiner wild gemusterten Schlabberhose, dazu grüne Socken und Sandalen. So einer wird in einem kleinen Dörfchen natürlich scheel angeschaut. Gotz, von Mutti nach Berlin abberufen, bringt seinen Vogel, Günther Gotz Junior, in den Friseurladen von seinem Freund Jochen (Thomas Goersch) in Pflege. Doch, und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf, er verliert auf dem Weg dorthin einen seiner für den Vogel geschriebenen Briefe. Frau Kochl, gespielt von der bühnen- und filmerfahrenen Erna Heisig, liest den Absender und schon hat das Dorf sein neustes Gerücht. Der Gotz bekommt Post vom Hansi Hinterseer. Wie im richtigen Leben erweist sich der Friseursalon als idealer Umschlagplatz der neusten Gerüchte. Frau Kochl unter der Trockenhaube gibt die Neuigkeit weiter. In einer sehr gelungenen Einstellung, nur die Profile von Erna Heisig und Christina Schelle, an die das Gerücht weitergegeben wird, zeigt sich das wahre Wesen eines Gerüchts. "Ich erzähl' doch nichts weiter, kennst mich doch" wird da beteuert um die Neuigkeit sogleich beim Mittag-essen an den Ehemann (Dieter Bobek), weiterzugeben.

Das Gerücht verbreitet sich und erfährt seine verschiedenen Steigerungen. Zuerst ist Gotz ein alter Schulfreund vom Hansi Hinterseer, dann wird er zu dessen Komponisten, bis er schließlich als sein Produzent gehandelt wird. Im Dörfchen brodelt die Gerüchteküche und immer wieder wird es aufgekocht. Selbst in den Beichtstuhl findet es seinen Einzug. Im Rathaus angekommen trifft das Gerücht von der engen Freundschaft zwischen Gotz und Hansi auf einen angesichts der leeren Kasse verzweifelten Bürgermeister (Raimund Bitterling). Gotz sei Dank, die Rettung naht. Aus dem Dörfchen soll eine Hansi-Hinterseer-Gemeinde werden. Man will sich anhängen an den Erfolg des überall im Dorf so beliebten Sängers. Gotz, vom Besuch bei Mutti zurückgekehrt, wird ganz der neue VIP, von zwei finsteren Bodyguards (Leopold Lecheler, Martin Weindl) abgeholt und zu der feierlichen Verleihung eines Gemeindepokals mitsamt anschließender Vertragsunterzeichnung gebracht. Unterdessen bahnt sich mit Gotz Junior, dem Vogel, eine Katastrophe im Friseursalon an. Soweit der Haupterzählstrang von Sebastian Prittwitz' Film. Obwohl es nur ein Kurzfilm ist, gibt es weiter kleine Nebenhandlungen, die witzig sind und dem Film mehrere Ebenen bescheren. So zieht sich Roswitha Bobek als Nonne herrlich komisch als "running gag" durch den Film.

Obwohl nur ein Kurzfilm, so hat er doch in der Anlage alles, was ein Spielfilm braucht. Hilfreich mag für Prittwitz sicher die Überarbeitung des Drehbuchs durch den erfahrenen Drehbuchautor Ingmar Gregorzewski gewesen sein. Als Profi, der schon Tatorts geschrieben hat, hat er darauf geschaut, dass die ganze Geschichte stimmig ist. Hilfestellung kam auch von Jack Hruby, der das Projekt für die Jugendfilmförderung, die finanzielle Unterstützung gab, betreute. Nach der begeistert beklatschten Premiere im übervollen Kurkino führte Moritz Bundschuh, der beim Film das Script gemacht hatte, durch die Statements einiger Beteiligten. Sebastian Prittwitz bedankte sich bei allen, den vielen helfenden Händen und Sponsoren und erzählte, wie es zu dem Film kam.

Andreas Tauchen, der mit sicherer Hand und gutem Gespür die Kamera geführt hat, kann sehr zufrieden sein, die technischen Herausforderungen, die so ein Film an den eben noch nicht Profi Kameramann stellt, so gut gemeistert zu haben. Überhaupt überrascht die gute Qualität von Ton und Licht, zwei heiklen Punkten beim Film. Sebastian Prittwitz hat neben dem Drehbuch und der Regie auch noch die Filmmusik komponiert. Sehr gekonnt, mit viel Ironie und Augenzwinkern bedenkt er den skurrilen Gotz mit einer eher getragen klassisch daherkommenden Melodie. Dann wieder mischt er volkstümliche Klänge etwas schräg und auf die Schippe nehmend in eine eingängige Grundmelodie hinein.

Das gutgelaunte Premierenpublikum, am Eingang bewacht von den beiden Bodyguards des Films, die mit stoischen Mienen schon als Kartenabreißer an diesem Abend fungiert hatten, bekam noch eine kurze Dokumentation zu sehen. Denn der Film, im Rahmen des Jugendfilmförderungsprojekts "In eigener Regie" gefördert, hatte schon eine Vorpremiere in Kempten, bei der alle anderen ebenfalls geförderten Filmprojekte gezeigt wurden. Andreas Tauchen und Sebastian Prittwitz hatten die Kamera und das Mikro dabei und haben Stimmungen und Meinungen der Zuschauer nach der Filmvorführung eingefangen. Als Film im Film gab es noch eine Szene mit einer Tasse zu sehen und obwohl sehr kurz, zeigt es doch exemplarisch die Leichtigkeit und den Witz, mit der auch Gotz sei Dank gedreht wurde.

Ein Kurzfilm ist nun mal ein Kurzfilm, was aber allgemein vom Publikum bedauert wurde. Denn nur zu gerne hätte man mehr gesehen. Ein besseres Kompliment gibt es wohl nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Zukunft einen neuen und längeren Film bringt. Weitere Infos zum Film unter www.gotzseidank.de

CGM