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Bericht aus dem Berchtesgadener Anzeiger
Gotz und das Gerücht
Berchtesgaden: (11. März 2003)
- Im voll besetzten Kurkino fand die Premiere des Films "Gotz sei Dank"
statt. Erzählt wird die Geschichte eines Außenseiters, der durch gewisse
Umstände plötzlich zum gefeierten Star des Dorfes aufsteigt. Dem Regisseur
Sebastian Prittwitz ist ein sehr amüsanter Kurzfilm gelungen, der die
dörfliche Gerüchteküche auf den Arm nimmt. Der Film läuft bis Mittwoch
um 19 Uhr im Kurkino.
Wie
würde man jemanden bezeichnen, der seinem Vogel selbstverfasste
Briefe von bekannten Volksmusikstars wie Hansi Hinterseer zur Beruhigung
vorliest? "Als skurril" ist dabei noch die netteste Antwort
auf diese Frage. Günther Gotz, perfekt gespielt von Martin Klocke,
ist also etwas komisch. Verboten schaut er aus mit seiner wild gemusterten
Schlabberhose, dazu grüne Socken und Sandalen. So einer wird in
einem kleinen Dörfchen natürlich scheel angeschaut. Gotz,
von Mutti nach Berlin abberufen, bringt seinen Vogel, Günther Gotz
Junior, in den Friseurladen von seinem Freund Jochen (Thomas Goersch)
in Pflege. Doch, und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf, er verliert
auf dem Weg dorthin einen seiner für den Vogel geschriebenen Briefe.
Frau Kochl, gespielt von der bühnen- und filmerfahrenen Erna Heisig,
liest den Absender und schon hat das Dorf sein neustes Gerücht.
Der Gotz bekommt Post vom Hansi Hinterseer. Wie im richtigen Leben erweist
sich der Friseursalon als idealer Umschlagplatz der neusten Gerüchte.
Frau Kochl unter der Trockenhaube gibt die Neuigkeit weiter. In einer
sehr gelungenen Einstellung, nur die Profile von Erna Heisig und Christina
Schelle, an die das Gerücht weitergegeben wird, zeigt sich das
wahre Wesen eines Gerüchts. "Ich erzähl' doch nichts
weiter, kennst mich doch" wird da beteuert um die Neuigkeit sogleich
beim Mittag-essen an den Ehemann (Dieter Bobek), weiterzugeben.
Das Gerücht verbreitet sich
und erfährt seine verschiedenen Steigerungen. Zuerst ist Gotz ein
alter Schulfreund vom Hansi Hinterseer, dann wird er zu dessen Komponisten,
bis er schließlich als sein Produzent gehandelt wird. Im Dörfchen
brodelt die Gerüchteküche und immer wieder wird es aufgekocht.
Selbst in den Beichtstuhl findet es seinen Einzug. Im Rathaus angekommen
trifft das Gerücht von der engen Freundschaft zwischen Gotz und
Hansi auf einen angesichts der leeren Kasse verzweifelten Bürgermeister
(Raimund Bitterling). Gotz sei Dank, die Rettung naht. Aus dem Dörfchen
soll eine Hansi-Hinterseer-Gemeinde werden. Man will sich anhängen
an den Erfolg des überall im Dorf so beliebten Sängers. Gotz,
vom Besuch bei Mutti zurückgekehrt, wird ganz der neue VIP, von
zwei finsteren Bodyguards (Leopold Lecheler, Martin Weindl) abgeholt
und zu der feierlichen Verleihung eines Gemeindepokals mitsamt anschließender
Vertragsunterzeichnung gebracht. Unterdessen bahnt sich mit Gotz Junior,
dem Vogel, eine Katastrophe im Friseursalon an. Soweit der Haupterzählstrang
von Sebastian Prittwitz' Film. Obwohl es nur ein Kurzfilm ist, gibt
es weiter kleine Nebenhandlungen, die witzig sind und dem Film mehrere
Ebenen bescheren. So zieht sich Roswitha Bobek als Nonne herrlich komisch
als "running gag" durch den Film.
Obwohl nur ein Kurzfilm, so hat
er doch in der Anlage alles, was ein Spielfilm braucht. Hilfreich mag
für Prittwitz sicher die Überarbeitung des Drehbuchs durch
den erfahrenen Drehbuchautor Ingmar Gregorzewski gewesen sein. Als Profi,
der schon Tatorts geschrieben hat, hat er darauf geschaut, dass die
ganze Geschichte stimmig ist. Hilfestellung kam auch von Jack Hruby,
der das Projekt für die Jugendfilmförderung, die finanzielle
Unterstützung gab, betreute. Nach der begeistert beklatschten Premiere
im übervollen Kurkino führte Moritz Bundschuh, der beim Film
das Script gemacht hatte, durch die Statements einiger Beteiligten.
Sebastian Prittwitz bedankte sich bei allen, den vielen helfenden Händen
und Sponsoren und erzählte, wie es zu dem Film kam.
Andreas Tauchen, der mit sicherer
Hand und gutem Gespür die Kamera geführt hat, kann sehr zufrieden sein,
die technischen Herausforderungen, die so ein Film an den eben noch
nicht Profi Kameramann stellt, so gut gemeistert zu haben. Überhaupt
überrascht die gute Qualität von Ton und Licht, zwei heiklen Punkten
beim Film. Sebastian Prittwitz hat neben dem Drehbuch und der Regie
auch noch die Filmmusik komponiert. Sehr gekonnt, mit viel Ironie und
Augenzwinkern bedenkt er den skurrilen Gotz mit einer eher getragen
klassisch daherkommenden Melodie. Dann wieder mischt er volkstümliche
Klänge etwas schräg und auf die Schippe nehmend in eine eingängige Grundmelodie
hinein.
Das gutgelaunte Premierenpublikum,
am Eingang bewacht von den beiden Bodyguards des Films, die mit stoischen
Mienen schon als Kartenabreißer an diesem Abend fungiert hatten, bekam
noch eine kurze Dokumentation zu sehen. Denn der Film, im Rahmen des
Jugendfilmförderungsprojekts "In eigener Regie" gefördert, hatte schon
eine Vorpremiere in Kempten, bei der alle anderen ebenfalls geförderten
Filmprojekte gezeigt wurden. Andreas Tauchen und Sebastian Prittwitz
hatten die Kamera und das Mikro dabei und haben Stimmungen und Meinungen
der Zuschauer nach der Filmvorführung eingefangen. Als Film im Film
gab es noch eine Szene mit einer Tasse zu sehen und obwohl sehr kurz,
zeigt es doch exemplarisch die Leichtigkeit und den Witz, mit der auch
Gotz sei Dank gedreht wurde.
Ein Kurzfilm ist nun mal ein
Kurzfilm, was aber allgemein vom Publikum bedauert wurde. Denn nur zu
gerne hätte man mehr gesehen. Ein besseres Kompliment gibt es wohl nicht.
Bleibt zu hoffen, dass die Zukunft einen neuen und längeren Film bringt.
Weitere Infos zum Film unter www.gotzseidank.de
CGM